Rathaus (Kaiserstraße)

Rathaus Wetter (Ruhr); Foto: Hans Blossey

„Es grüßt mit Turm und Mauern
weit in das Tal hinein
von Wetters lieblicher Höhe
das Rathaus stolz und fein“

(Gedicht zur Rathauseinweihung 1909)

Das Rathaus in Wetter ist in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswertes Bauwerk: zum einen ist es wohl das bedeutendste Baudenkmal Wetters, zum anderen beherrscht seine Silhouette die Stadt aus vielen Perspektiven. Außerdem ist es ein Zeugnis wetterschen Bürgersinns, auf das die Bürgerinnen und Bürger seit jeher stolz sind.

Als Zeichen der wiedererlangten Stadtrechte schenkten Anfang des letzten Jahrhunderts Mitglieder der sozialen Führungsschicht der Gemeinde das Rathaus. Hauptfinanzierer war der Grubenholzindustrielle Gustav Vorsteher. In Architektur und Gebäudeschmuck gilt das Rathaus als offenes Bekenntnis zum wilhelministischen Kaiserstaat: Es enthält alle wesentlichen Elemente  des städtischen und idealtypischen Rathausbaus in Deutschland und zitiert in seiner Inneneinrichtung den Zeitgeist der wilhelminischen Ära.
 
Der Sitzungssaal. Foto/Rechte: K. Obergfell

Im Zweiten Weltkrieg sind nahezu alle kommunalen Repräsentativbauten dieser Zeit vernichtet worden. Das Rathaus in Wetter ist eines der wenigen verbliebenen Zeugnisse dieser Zeit. Aufwändige Restaurierungen im Innern des Gebäudes in den 90-er Jahren legten dann unter anderem die wunderschönen Deckengemälde wieder frei, die einige Jahrzehnte zuvor dem nüchternen Zeitgeist folgend unter Dispersions- und Ölfarben verschwunden waren.

Heute beherbergt das Rathaus mit Bürgermeisterbüro, Finanzverwaltung, Zentralen Diensten und Personalabteilung Teile der Stadtverwaltung. Der Sitzungssaal wird für Ausschusssitzungen, Empfänge oder auch kleinere kulturelle Veranstaltungen genutzt. Viele kennen das Rathaus aber vor allem als Ort, wo der hoffentlich schönste Tag ihres Lebens gefeiert wird. Im Trauzimmer schließen rund 120 Paare den Bund fürs Leben.

Wussten Sie schon...?

1896 wurde die Gemeinde Wetter im alten Amtshaus an der Wilhelmstraße in zwei Amtszimmern mit jeweils 35 qm verwaltet.

1906 wurden die Grundstücke für den heutigen Standort des Rathauses gekauft – für zusammen 56.000 Mark.

Architekt des Rathsauses wurde Regierungsbaumeister Gustav Werner aus Berlin, ein Neffe von Gustav Vorsteher.

Der heutige Standort fand zunächst ein geteiltes Echo, da er zu weit weg vom Ortskern sei. Die Erhabenheit über dem Ruhrtal galt dann jedoch als entscheidendes Argument für den Standort an der oberen Kaiserstraße.

Der erste Entwurf des Architekten sah 1907 ein deutlich kleineres Rathaus im bergischen Stil vor.

Am 20. Dezember 1909 wurde das Rathaus eingeweiht. Alle wetterschen Chöre donnerten „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“
Das Festprogramm: 10 Uhr Musik vom Rathausturm, 11.45 Uhr Festakt mit Beteiligung der Männergesangvereine, 13 Uhr Festessen in der Turnhalle Bismarckstraße  (Preis des Gedecks: 2,50 Mark); 20 Uhr: Illumination des Rathauses mit Feuerwerk

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