Die neue Innenstadt
Wetter (Ruhr) hatte seit der kommunalen Neuordnung 1970 ein Problem: nämlich kein Zentrum. Die Stadt verfügt zum einen über recht eigenständige Ortsteile, zum anderen macht die topographische Lage, begrenzt durch Ruhr, Bahnstrecke und Durchgangsstraße, die Entwicklung eines echten Zentrums schwierig. Der Grunderwerb von Bahn- und Rheinformgelände 1996 im Bahnhofsbereich war schließlich die Initialzündung für eine neue Mitte der Stadt. Damit ist auch in Wetter das geschehen, was im Ruhrgebiet sehr oft passiert ist und was wir „Strukturwandel“ nennen. Nämlich Industriebrachen neuen stadtplanerischen Nutzungen zuzuführen.
Wetter (Ruhr) gestaltet eine moderne Innenstadt mit mehr und besseren Einkaufsmöglichkeiten, mit mehr Aufenthaltsqualität, mit der Vernetzung von Wohnen, Leben, Einkaufen und Mobilität. Eine Stadt der kurzen Wege. Die neue Ruhrbrücke, die Umgestaltung von Bahnhof und Bahnhofsvorplatz, der Wochenmarkt in der Stadtmitte, die Wohnbebauung und der neue Busbahnhof bilden das Gerüst, das Ruhrtal Center ist das vitale und pulsierende Herz des neuen Bahnhofsquartiers.
Das Bahnhofsgebäude
Mit der Einweihung des Bahnhofsgebäudes gab es in 2007 wichtige und für alle Bürger sichtbare Zeichen der Entwicklung des Bahnhofsquartiers. Groß und lichtdurchflutet präsentieren sich die insgesamt 450 qm großen Räume der Stadtbücherei, moderne Materialien ergänzen sich mit der historischen Bebauung des Bahnhofs. Legt man die neuen Regale aneinander, finden die über 20.000 Medien auf knapp einem Kilometer Länge ihren Platz - und dies auf zwei Ebenen.
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Rückblende: Im Besitz der Deutschen Bahn AG wurde der 1904 erbaute Bahnhof seit über 25 Jahren nicht mehr als Schalterhalle genutzt. Nachdem eine Spielhalle als letzter Mieter ausgezogen war, stand das Gebäude komplett leer. Die Stadt Wetter hat das Bahnhofsgebäude 2004 von der Deutschen Bahn AG für 52.000 Euro erworben. Zuvor hatte der Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossen, das Bahnhofsgebäude unter der Regie der Stadt zu sanieren und wieder nutzbar zu machen.
2005 begann nach einem Bürgerworkshop die aufwändige Sanierung des Gebäudes: Ein neues Schieferdach wurde gedeckt, die maroden Holzfenster durch moderne, graue Aluminiumfenster ersetzt, die Ruhrsandstein-Fassade komplett gereinigt und von Schmierereien befreit. Dabei wurden auch historische Fassadenelemente erneuert, um die ursprüngliche Fassade nahezu orginalgetreu wieder herstellen zu können. In 2006 startete der bedarfsgerechte Innenausbau des 800 qm großen Gebäudes. An der Sanierung waren über 50 Firmen, Planungsbüros und Verwaltungsstellen beteiligt, darunter acht Handwerksbetriebe aus Wetter.
Die Sanierung des Bahnhofsgebäudes kostete insgesamt 2 Millionen Euro. Das Projekt wurde vom Land NRW aus dem Stadterneuerungsprogramm mit 578.000 Euro gefördert.
Das Ruhrtal Center wurde am 2. September 2010 eröffnet und ist Magnet und attraktives Ziel der neuen Innenstadt. Das Gebäude bietet auf einer Fläche von rund 8.000 qm Platz für 26 Einzelhandelsgeschäfte (in unterschiedlichen Größen) mit typischen innerstädtischen Einkaufsangeboten. Im Gebäude stehen insgesamt knapp 400 Parkplätze zur Verfügung. Eine sogenannte „Shopping-Mall“ soll attraktives Einkaufen ermöglichen, die beiden Etagen sind durch Rolltreppen und Aufzüge miteinander verbunden.

Cafe im Ruhrtal Center. Die Wandgestaltung zeigt den Harkortsee.

Ladenzeile in der oberen Etage
Der Bahnhofsplatz
Zeitgleich mit dem Ruhrtal Center hat die Stadt Wetter (Ruhr) den neu gestalteten Bahnhofsplatz eröffnet. Er bietet Platz für den Wochenmarkt und Veranstaltungen, ein etwas erhöhtes Podest mit Sitzmöglichkeiten und Schatten spendenden Bäumen lädt mit Blick auf das historische Bahnhofsgebäude zum Verschnaufen ein. Nur Busse und Taxis dürfen den Bahnhofsplatz befahren. Zusammen mit der Außengastronomie des Ruhrtal Centers sowie der Bahnhofsgastronomie bildet der Bahnhofsplatz die Voraussetzungen für mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt.

Endlich wieder draußen sitzen: Gäste der Bahnhofsgastronomie.
Der Wochenmarkt
Mit der Neugestaltung des Bahnhofsplatzes zieht auch der Wochenmarkt ins Herz der Stadt. Die Markthändler bauen immer mittwochs und samstags von 8 bis 13 Uhr ihre Stände auf dem Bahnhofsplatz auf.

Wochenmarkt auf dem Bahnhofsplatz.
Die neue Ruhrbrücke B 226n
Sie ist 360 Meter lang und gut 20 Meter breit: Nach fast siebenjäghriger Bauzeit wurde im April 2011 die neue Ruhrbrücke eröffnet. Der neue Ruhrüberwurf lenkt den Durchgangsverkehr so um, dass die Innenstadt nur noch etwa die Hälfte der Fahrzeuge aufnehmen muss.

Weniger Fahrzeuge, weniger Lärm und weniger Abgase sind Voraussetzung für die Attraktivierung der unteren Kaiserstraße. Das 30-Millionen-Bauprojekt Ruhrbrücke wurde unter schwierigen Bedingungen vom Landesbetrieb Straßen NRW realisiert: Enges Gelände an den Auffahrten und die Überquerung einer Bahnlinie mussten bedacht werden.
(Fotos: Kay Becker, Gregor Thier, Stefan Schulte)
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