Erste Ergebnisse der Planungen für das Hochwasserschutzkonzept an der Elbsche

Das Hochwasserschutzkonzept Elbsche war am Mittwoch, 30.03.2022, Thema im Umwelt-, Klima- und Verkehrsausschuss. Das Ingenieurbüro Osterhammel aus Nümbrecht ist von der Stadt Wetter (Ruhr) beauftragt worden, Pläne zum Hochwasserschutz für das Gewässereinzugsgebiet der Elbsche und für Wengern-Dorf auszuarbeiten. Hintergrund sind die sich immer stärker einstellenden Extrem-Niederschlagssituationen und die Anforderungen der EU-Hochwasserrichtlinie. Dazu haben die Ingenieure anhand von vorhandenen Hochwasserdaten des Landesamtes für Natur und Umwelt (LANUV) und des Ruhrverbands ein Modell für die Elbsche erstellt. Auch aus den 2020 neu erstellten Messpegeln an Schmalenbecke und Elbsche konnten bereits Daten in das Modell einfließen.

 

Es geht von einem mittleren Hochwasserereignis aus, das statistisch einmal in 100 Jahren auftritt (HQ100). Dafür hat das Ingenieurbüro unter anderem Daten und Angaben zu den Überflutungsflächen 2013 und 2021 ausgewertet als es zu Hochwasser in Wengern kam. Daraus ist eine Simulation entstanden, wie und wohin sich das Wasser der Elbsche bewegt und ausbreitet bzw. welche Bereiche bei Hochwasser extrem überflutet werden. Hier zeigt sich, dass die bauliche Ortslage mit Vereinigung von 3 Gewässern, Elbsche, Schmalenbecke und Opfersiepen im Bereich der historischen Dorfkernbebauung am Leimkasten eine prekäre Gewässerabflusssituation verursacht. Zudem begünstigt der Gewässerverbau aus den 1960 / 70er Jahren in eingeengten Kastenprofilen bzw. durch Verrohrungen mit relativ kleinem Querschnitt die hochwassergefahrenträchtige Situation. Hier staut sich Wasser sehr schnell und sorgt bei extremen Niederschlägen für eine Überflutung der anliegenden Wohnbebauung, Fachwerkhäuser und der Kirche. Auch im Bereich der Wengener Mühle sind massive Überflutungen bei Starkregen vorhanden. 
Aufgrund der Bebauung im Dorfkern Wengern ist hier kein direkter Hochwasserschutz möglich, so die Ingenieure des Büros Osterhammel. Deswegen muss geeigneter Schutz in Bereichen gebaut werden, wo viel frei Fläche ist, also bevor die Elbsche in den Dorfkern fließt. 
 

Nebenbäche

Der Opfersiepen ist hinsichtlich des Hochwassers unproblematisch, da die Wassermassen im Hochwasserrückhaltebecken Opfersiepen zurückgehalten werden.
Im Bereich der Schmalenbecke werden zurzeit Verrohrungen aus den 1960/70 Jahren entfernt und der Bachlauf wird wieder offengelegt. Dadurch ergeben sich weitere Flächen, in denen sich Wasser ausbreiten kann. Diese Arbeiten sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Messstellen für Hochwasserschutz seit 2020 

An der Schmalenbecke befinden sich zwei von 5 Messstellen, die zukünftig vor potenziellem Hochwasser an der Elbsche warnen sollen. Weitere Stationen zur Messung des Pegels sind an der Elbsche im Bereich Wengener Mühle und am Verlauf der Elbsche entlang der Albringhauser Straße angebracht. Hier befindet sich jeweils eine Sonde zur Messung im Bachbett, drei davon sind solarbetrieben, sowie angebrachte Messlatten. 

Zur Messung von Niederschlagsmengen gibt es zudem in Sprockhövel-Hiddinghausen und am Hof Sackern in Wetter (Ruhr) Messstationen, die unter anderem Niederschlagmengen, Temperatur und Luftfeuchte aufnehmen. Die fünf Messeinrichtungen sind seit Mai 2020 in Betrieb und konnte bereits wichtige Daten zur Erstellung des Hochwasserschutzkonzeptes liefern. Das Messnetz ist in Zusammenarbeit der Stadt Wetter (Ruhr) mit dem Kreis im Jahr 2020 installiert worden. 
Die Daten (Pegelstände) werden ständig aktualisiert und können zudem visuell durch vorhandene Messlatten auf ihre Richtigkeit hin geprüft werden. Das gibt doppelte Sicherheit. Die Werte gehen beim Ennepe-Ruhr-Kreis ein (Kreisleitstelle) und sollen zukünftig dem Stadtbetrieb Wetter übermittelt werden. 

Ein großes Problem bei den Hochwässern ist auch der Fremdstoffeintrag durch Gehölzschnitt, Gartenabfälle und Einbauten an den Gewässern in Wetter. Diese Materialien werden von den Wassermassen mitgeführt und lagern sich vor – oder noch schlimmer – in den Durchlässen ab und führen so zu Überschwemmungen. 
„Hier sind wir auf die Kooperation mit den Bürger*innen und Grundstückseigentümer*innen entlang der Elbsche und Schmalenbecke angewiesen. Sie sollten uns solche Stellen melden und dort möglichst Fremdstoffeinträge wie Gartenabfälle vermeiden. Das ist für die Hochwasserprävention bei uns enorm wichtig“, appelliert Bürgermeister Frank Hasenberg an die Wetteraner*innen. Ein großer Teil der Flächen an der Elbsche seien im Privatbesitz. 


Dämme zum Schutz vor Überflutungen 

Das Ingenieurbüro hat die Ergebnisse dieser Untersuchung zu einem Hochwasserschutzkonzept zusammengefasst. Aufgrund der Gewässersituation in Wengern bei Hochwasser sind als Schutzmaßnahme zwei Dämme für die Elbsche als beste Maßnahme vorgesehen. Sie sollen bei starken Regenfällen Elbschewasser stauen, bevor es in den Dorfkern von Wengern fließt. So soll dieser stark bebaute Bereich geschützt werden. 

Da im Stadtkern von Wengern eine Renaturierung der Elbsche nicht möglich ist, werden zwei Dammkörper im Unterlauf der Elbsche vorgeschlagen, die die Spitzen der Hochwasserwellen zurückhalten und dann geregelt wieder in die Elbsche abgeben können. Nach dem Hochwassergipfel laufen die Flächen wieder leer, so dass sich keine dauerhafte Wasserfläche einstellen wird. 
Der größere Damm könnte nach dem Konzept an der Wengener Mühle hinter dem Eisenbahn-Viadukt herführen, bei dem ehemaligen Eisenbahndamm. Der Damm soll eine Höhe von sechs Metern haben und rund 90.000 m³ Wasser abfangen und das Wasser auf 4,5 m³ pro Sekunde drosseln. Zum Vergleich beim letzten Hochwasser im Jahr 2021 flossen Wassermassen rund 12 m³ pro Sekunde. 

Ein weiterer, deutlich kleinerer Wallkörper zum Hochwasserschutz ist im Oberlauf der Elbsche vor der Wegequerung Wengerner Mühle angedacht. Im Rahmen des Planverfahrens muss bei beiden Becken berücksichtigt werden, dass sie im Landschaftsschutzgebiet liegen. 

Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich bei diesen Planungen um erste Ergebnisse, die die besten Maßnahmen zur Drosselung der Wassermassen an Elbsche und Schmalenbecke bei Hochwasser darstellen. Die Ergebnisse müssen erst noch in die Genehmigungsplanung. Sie ist Teil der Bauplanung für eine Realisierung der Dämme als Bauwerke im Rahmen des Hochwasserschutzkonzeptes für die Elbsche.