Von einem Schlapphut, viel Engagement für den Bürger und einem schwarzen Pudel: Jutta Nitsche geht nach 50 Jahren in den Ruhestand

„Den Wellensittich konnten wir nur mit dem Schlapphut einfangen.“ Man erlebt viel und dabei auch so manch skurrile Episode, wenn man wie Jutta Nitsche ein halbes Jahrhundert in der städtischen Verwaltung gearbeitet hat. Am Freitag war es dann soweit: Bürgermeister Frank Hasenberg überreichte Jutta Nitsche, die viele Wetteraner als Stimme und Gesicht des Rathauses kennen, ihre Abschiedsurkunde.

Bürgermeister Frank Hasenberg überreichte im Beisein von Dirk Wienen (Personalratsvorsitzender, li.) und Michael Pfänder (Fachdienstleiter Interne Dienste und Personal) Jutta Nitsche die Verabschiedungsurkunde

"Ich spreche im Namen aller Mitarbeiter, wenn ich Dir sage, dass wir heute alle etwas traurig gestimmt sind. Denn Du bist die gute Seele und das Gesicht unseres Rathauses. Du wirst uns fehlen", so Bürgermeister Hasenberg.

 

Seit 2003 arbeitete Nitsche im Infostand des Rathauses, war meist das erste Gesicht oder die erste Stimme, wenn Bürgerinnen und Bürger Kontakt zur Verwaltung suchten. Begonnen hat Nitsches Laufbahn im mittleren Beamtendienst allerdings im Sitzungssaal: "Dort habe ich am 1. August 1969 meinen Amtseid bei Stadtdirektor Reiber abgelegt." Erste Ausbildungsstation war die Stadtkasse, dann ging es zum Bauamt, anschließend zum Hauptamt. Nitsche blickt zurück: "Im Hauptamt musste ich Telefonieren lernen. Es gab damals noch nicht so viele Telefone, es gab noch keine Routine im Umgang damit." Im Bauamt wurde damals noch diktiert: "Da waren Steno und Maschinenschreiben gefragt, das konnte ich gut."

 

Nach der Ausbildung arbeitete sie im Ordnungsamt, damals noch im Amtshaus in Volmarstein, 1972 zog man ins Rathaus um. Da habe ich das Werkzeug für alles Spätere gelernt", so Nitsche. Insbesondere den Umgang mit "schwierigen" Kunden. Sie musste mit Obdachlosen reden, mit Betrunkenen reden und auch mit psychisch kranken Menschen. "Einmal habe ich ein 14-jähriges Mädchen als weibliche Begleitung zur Klinik nach Warstein fahren. Das ist mir sehr nahe gegangen."

Aber sie sagt auch: "Diese Erfahrungen haben mir sehr im Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen geholfen."

 

Und dann waren da ja noch die Tiere: "Als ich damals das Fundbüro betreute stand eines Tages einfach ein gelber Wellensittich in einem Käfig auf meinem Tisch - als Fundtier." Nachdem dem Wellensittich kurz einmal die Flucht aus dem Käfig gelang, versuchte ein Kollege, den Vogel mit einem Schlapphut einzufangen - letztlich erfolgreich. Auch ein Meerschweinchen und eine Katze landeten im Fundbüro und fanden schließlich bei Jutta Nitsche ein neues Heim. Aber da war ja noch die Sache mit dem Pudel: "Rettungskräfte hatten einen schwarzen Pudel in den Klippen gerettet und zur Stadt gebracht. Dann rief mich eine Frau an und fragte nach dem Pudel. Ich habe ihn beschrieben. Daraufhin sagte sie, das könne er sein und ich solle den Hund mal ans Telefon holen..."

 

Rückblickend nennt Jutta Nitsche ihre 50 Jahre in der städtischen Verwaltung mit "ihren" sieben erlebten Bürgermeistern "eine schöne Zeit", insbesondere auch mit den anderen "Städtern". "Die Kolleginnen und Kollegen haben immer zu mir gehalten."

Und so ist es ja für alle gut zu wissen, dass der Abschied kein totaler ist, denn wenn der Hauptausschuss im Rathaus tagt oder samstags Trauungen stattfinden, wird Jutta Nitsche wieder den Infostand besetzen. Und was den Ruhestand angeht: "Ich freue mich, mehr Zeit für die Familie zu haben, Freunde zu treffen, in Ruhe spazieren zu gehen und die ein oder andere kleine Reise zu machen."