Bild:  Denis Junker / Fotolia.com
Bild: fotomek / Fotolia.com

Runder Tisch gegen Häusliche Gewalt

 

Der "Runde Tisch gegen häusliche Gewalt im Ennepe-Ruhr-Kreis", der entsprechende jährliche Aktionen plant und vorbereitet, besteht seit 1999. Fachleute von Justiz, Polizei, Opferschutz, Beratungsstellen, Frauenhaus, Frauenberatung, Gesundheitswesen sowie die Gleichstellungsbeauftragten der Städte und der Kreisverwaltung arbeiten gemeinsam daran, die Situation gewaltbetroffener Frauen nachhaltig zu verbessern und Gewalt öffentlich zu ächten. Schirmherr ist Landrat Olaf Schade.

Am 25. November 2021, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, setzten Gleichstellungsbeauftragte Ursula Noll, Bürgermeister Frank Hasenberg und Karen Haltaufderheide, Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Gleichstellung und öffentliche Ordnung, im Rathaus an der Kaiserstraße ein deutliches Zeichen.

„Am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen wollen wir die Bürger*innen für das Thema sensibilisieren, zumal die Zahl gewalttätiger Übergriffe in der Pandemie noch gestiegen ist. Wir wollen durch unsere Aktion auch konkret dabei helfen, Ansprechpartner*innen für von Häuslicher Gewalt Betroffene bekannt zu machen“, so Ursula Noll, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wetter (Ruhr). Mit großen Roll Ups von Terre des Femmes / Menschenrechte für die Frau in den beiden Rathäusern und Flyern zum Thema, die im Ruhrtal Center sowie in der Bücherei Draht an die Bürger*innen verteilt wurden, wird auf die dramatische Situation von Betroffenen hingewiesen. 

Fünf Jahre nach Inkrafttreten der Istanbul Konvention – dem Übereinkommen des Europarates zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Häusliche Gewalt hat der Runde Tisch „Gewalt gegen Frauen“ eine Bürgerbefragung durchgeführt. Fast 1.100 Menschen haben sich daran beteiligt und dabei mitgeteilt, wo es ihrer Meinung nach langgehen soll. Der Psychologe Stephan Jansen von GESINE Intervention wertet die Daten derzeit aus und stellt überrascht fest: „Über die Hälfte der Befragten kennt eine gewaltbetroffene Frau. Aber viele wissen nicht, an wen sie sich wenden können. Andere kennen einzelne Angebote, halten das Unterstützungssystem aber für unzureichend“.

In Übereinstimmung mit bundesweiten Studienergebnissen berichten Frauen auch im Ennepe-Ruhr Kreis von einer Zunahme gewalttätiger Übergriffe und aggressiven Verhaltens durch ihre Partner. Hierbei komme es nicht nur häufiger zu Übergriffen, auch die Schwere der Gewalt nimmt deutlich zu. Das zeigt sich so nicht unbedingt in der Zahl der Strafanzeigen oder Gerichtsverfahren. So nahmen diese bundesweit im Jahr 2020 um 4,9 Prozent zu, während die Anrufe beim Hilfetelefon im gleichen Zeitraum um 15 Prozent stiegen. Viele Frauen versuchen in der Krise, trotz schwerer Gewalt oder häufiger Wutausbrüche des Partners, die Familie zusammenzuhalten. Familien – und hier vor allem Frauen - sind auch zunehmend isoliert und sehen kaum Wege, ihre Situation zu verändern, weiß die Frauenberatung EN.

Was kann ich tun, wenn eine Frau in meinem Bekanntenkreis oder unter meinen Kolleginnen von Gewalt durch den Partner betroffen ist? Welche Hilfe gibt es nach einem sexuellen Übergriff und wo? Soll ich einen gewalttätigen Mann aus meinem Bekanntenkreis direkt ansprechen?

Fragen, auf die GESINE Intervention mit dem Frauenhaus, der Frauenberatung und TONI, dem Angebot für gewaltaktive Männer und Frauen spezialisiert ist. Aber auch andere Stellen im Ennepe-Ruhr Kreis werden mit solchen Fragen konfrontiert:

Die Gleichstellungsbeauftragten der Kommunen, der Opferschutz der Polizei, Beratungseinrichtungen wie ProFamilia oder die Familienberatungsstellen. Sie alle und viele andere mehr sind aktive Mitglieder des Runden Tisches gegen Gewalt an Frauen. Der Runde Tisch wird die Ergebnisse der Befragung zu Beginn des nächsten Jahres im Rahmen einer großen Veranstaltung mit Politik, Fachkräften und Öffentlichkeit diskutieren und dann die konkrete Umsetzung vorantreiben. 

 

Unterstützung bei Häuslicher und sexueller Gewalt für Frauen (und Männer) im Ennepe-Ruhr Kreis

Frauenhaus: 023 39 -  62 92

Frauenberatung.EN: 023 36 -  475 90 91/ 023 02 – 5 25 96/ 023 24 - 38 09 30 50/ 023 30 – 611 111

Opferschutz der Polizei: 023 36 – 81 98 21 und 02 34 – 9 09 40 59

TONI-TatOrientierte Nachhaltige Intervention: 023 36 – 475 90 94

Weißer Ring: 023 33 – 60 90 60

Polizei- Notruf:110

 

„Kein Grund nachzulassen“: 20 Jahre Runder Tisch EN gegen häusliche Gewalt

 

Ein Jubiläum, das nachdenklich stimmt: Den ‚Runden Tisch EN gegen häusliche Gewalt‘ gibt es seit 20 Jahren. Im Schwelmer Ibach-Haus haben 23 Fachleute des Netzwerks auf ihre Arbeit zurückgeblickt, mit der sie gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern im Ennepe-Ruhr-Kreis ein sichereres Leben ermöglichen wollen. Angesichts aktueller Opferzahlen stellte Landrat Olaf Schade fest: "Wir brauchen den Runden Tisch dringender denn je!"

 

Jubiläen seien in der Regel erfreuliche Anlässe, sagte Schade. "Ich muss aber offen zugeben: In diesem Fall bin ich zwiegespalten. Auch nach 20 Jahren konzertiertem Vorgehen ist häusliche Gewalt ein Thema. Heute vielleicht sogar noch mehr als damals."

 

1999 war der Runde Tisch gegründet worden. Beteiligt waren Vertreterinnen und Vertreter der Staatsanwaltschaft, der Polizei, des Vereins Frauen helfen Frauen und der Kreistagsfraktionen sowie die Gleichstellungsbeauftragten des Ennepe-Ruhr-Kreises und der Landrat. Nach und nach kamen mehr Fachleute dazu, unter anderem aus Beratungsstellen und Verbänden, dem Frauenhaus, dem Weißen Ring, dem Gesundheitswesen, den Kirchen, den Schulen, den Stadtverwaltungen und der Kreisverwaltung.

 

Was sie gemeinsam auf die Beine gestellt haben, ließ Katrin Brüninghold, Geschäftsführerin des Runden Tisches und Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung, Revue passieren: Es gab unzählige Schulungen für Fachkräfte, die mit Gewaltopfern zu tun haben. Themen waren unter anderem Techniken der Gesprächsführung oder Auswirkungen von Gewalterfahrung auf die psychische Gesundheit. Auch setzte sich der Runde Tisch erfolgreich dafür ein, dass an den drei Krankenhäusern mit gynäkologischer Abteilung im Kreis eine vertrauliche Spurensicherung bei Opfern sexueller Gewalt möglich ist. Und die Akteurinnen organisierten eine Reihe von Angeboten speziell für geflüchtete Frauen mit Gewalterfahrung.

 

Viel Aufmerksamkeit für das Thema häusliche Gewalt erreicht das Netzwerk jährlich mit Straßenaktionen, bei denen kleine Geschenke mit pfiffigen Sprüchen verteilt werden. Beispiele: Brötchentüten mit dem Aufdruck "Gewalt kommt nicht in die Tüte" oder Taschentücher mit dem Motto "Keine Gewalt gegen Frauen. Wir haben die Nase voll!". Zudem wurden und werden Broschüren und Flyer mit Hilfsangeboten entworfen und im Kreisgebiet verteilt. Dies auch in der so genannten leichten Sprache.

 

Großgeschrieben wird auch die Vorbeugung. Dazu dienen beispielsweise Workshops für Schülerinnen und Schüler, die die Gefahren in sozialen Netzwerken oder Warnsignale für Gewalt in Beziehungen beleichten. Regelmäßig werden auch WenDo-Kurse angeboten, in denen Techniken der Selbstverteidigung erlernt werden und das Selbstbewusstsein gestärkt werden soll.

 

In einigen Kneipen des Kreises wurde das Projekt "Luisa ist hier" etabliert: Wenn sich eine Frau bedrängt fühlt, kann sie sich mit der Frage "Ist Luisa hier?" an das Personal wenden. Dies ist geschult, weiß Bescheid und kann sofort eingreifen, ohne dass die Frau etwas erklären muss.

 

"Es ist geballt, was wir in den 20 Jahren alles umgesetzt haben", fasste Brüninghold zusammen. "Wir sind aber weiter gefordert und es gibt keinen Grund nachzulassen. Im Gegenteil." Studien zufolge erfährt in Europa jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Schläge oder sexuelle Gewalt. Die Statistik in den neun kreisangehörigen Städten weist allein für das vergangene Jahr 418 Fälle häuslicher Gewalt auf - und das sind nur die angezeigten Straftaten.

 

Dennoch sollten sich die Mitglieder des Runden Tisches nicht entmutigen lassen, riet Landrat Olaf Schade, Schirmherr des Netzwerks: "Jedes einzelne Opfer, das durch Ihre Arbeit den Mut findet, über Gewalt zu sprechen und sich Hilfe zu holen, ist ein Gewinn. Danke, dass Sie so viel Ausdauer haben und sich auf diese Marathonaufgabe einlassen."

 

Stichwort Anlaufstellen

Der Runde Tisch ruft alle Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, nicht wegzuschauen, sondern ihre Unterstützung anzubieten, wenn sie Anzeichen häuslicher Gewalt erkennen. Alle Betroffenen werden ermutigt, sich Hilfe zu suchen. Ansprechpartner sind beispielsweise das Frauenhaus.EN (02339/6292), die Frauenberatung.EN (02336/4759091, 02302/52596 und 02324/538093050), die Polizei (110), die Opferschutzbeauftragten der Polizei (02336/9166 2956 und 0234/909 4059) und der Weiße Ring (0151/55164777).