Woche der Vielfalt in Wetter (Ruhr) bot Raum für Austausch, Erinnerung und Begegnung
Mit bewegenden Vorträgen, spannenden Begegnungen, eindrucksvollen Ausstellungen und vielen Gesprächen hat die diesjährige „Woche der Vielfalt“ in Wetter (Ruhr) großen Anklang gefunden. Unter dem Motto, Vielfalt sichtbar zu machen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, boten die Veranstaltungen zahlreiche Gelegenheiten, sich mit Geschichte, Gegenwart und den Chancen einer vielfältigen Gesellschaft auseinanderzusetzen.
So wurden Besucher*innen der Stadtbücherei Wetter (Ruhr) durch einen eigens eingerichteten Thementisch eingeladen, sich mit den Themen Diversität, Gemeinsamkeiten, Freiheit, Gleichheit, Respekt und Toleranz auseinanderzusetzen. Die sorgfältig zusammengestellte Buchauswahl richtete sich an Leser*innen aller Altersgruppen.

Ein besonderer Schwerpunkt der Woche lag auf der Erinnerungskultur. Gemeinsam mit Stadtarchivarin Stephanie Pätzold haben die städtischen Auszubildenden Jill Paß (Archiv) und Marija Bagarić (Stadtbücherei) historische Recherchen durchgeführt. Die Ergebnisse werden aktuell in zwei Ausstellungen in der Stadtbücherei präsentiert. Sie beleuchten die Schicksale von Zwangsarbeiter*innen in Wetter (Ruhr) sowie die Geschichte der jüdischen Familie Teichmann, die Verfolgung, Deportation und die Schrecken des Nationalsozialismus überlebte.
Die Ausstellungen sollen künftig auch bei verschiedenen Gedenktagen erneut gezeigt werden und sind noch bis zum 10. Oktober in der Stadtbücherei zu sehen. Anschauen lohnt sich!


Potenziale sichtbar machen
Ein weiterer Programmpunkt der Woche der Vielfalt war die Veranstaltung der Kampagne „Mehr als Du siehst!“ Diese wurde vom Landesintegrationsrat NRW in Kooperation mit der Initiative „WetterWeltoffen“ für die Schülerinnen drei weiterführender Schulen in Wetter (Ruhr) organisiert. Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates NRW, und Gülay Gürbüz, Projektkoordinatorin der Kampagne, die stellvertretende Bürgermeisterin Kirsten Stich, Alexander Wissmann, stellvertretender Direktor der Schule am See, und Caroline Janicki von „WetterWeltoffen“ sowie städtische Ehrenamtskoordinatorin begrüßten an die
100 Schüler*innen und Lehrer*innen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, der Schule am See und des Werner-Richard-Berufskollegs.

Sie hatten sich im Vorfeld mit den Themen kulturelle Identität, internationale Familiengeschichte und gesellschaftliches Miteinander auseinander gesetzt. Organisatorisch unterstützten Björn Springer (Geschwister-Scholl-Gymnasium), Bastian Blachut (Werner-Richard-Berufskolleg), Pia Wilkinghoff und Stefanie von Rüden (Schule am See) die Veranstaltung. Gedanken und Ideen wurden auf Stellwänden präsentiert und sorgten für intensive Gespräche.

„Die vielen Beiträge der Schülerinnen und Schüler haben gezeigt, wie offen und reflektiert junge Menschen mit dem Thema Vielfalt umgehen und wie viel Potenzial in gegenseitigem Austausch steckt“, resümiert Ehrenamtskoordinatorin Caroline Janicki.
Die Kampagne hebt besondere Stärken wie Mehrsprachigkeit, interkulturelle Kompetenz, Resilienz und kognitive Flexibilität hervor. Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates NRW, und Gülay Gürbüz, Projektkoordinatorin der Kampagne machten den Jugendlichen dabei deutlich, welchen Beitrag Menschen mit internationaler Familiengeschichte und Mehrsprachigkeit für eine offene Gesellschaft leisten und dass niemand auf sein Aussehen, die Sprache oder die Herkunft reduziert werden sollte, getreu dem Kampagnen- Motto „ Mehr als Du siehst“.

Für einen ebenso unterhaltsamen wie nachdenklichen Blick auf das Thema sorgte der Schauspieler und Kabarettist Fatih Çevikkollu.

Mit persönlichen Geschichten, Humor und gesellschaftlichen Beobachtungen gelang es ihm, sowohl die Schüler*innen als auch die Erwachsenen im Publikum zu erreichen und bot einen eindrucksvollen Blick auf das Leben mit einer interkulturellen Identität.


Bewegende Lesung über Mut und Menschlichkeit
Großes Interesse fand auch die Lesung mit Autor Fred Seesing in der Stadtbücherei. In seinem Dokumentarroman „Das Licht in der dunkelsten Nacht“ erzählt er die Lebensgeschichte von Anna Chlebowski-Sperber und Gerhard Sperber, einem jüdischen Ehepaar, das nach seiner Flucht vor der nationalsozialistischen Verfolgung Widerstand leisteten.
Neben Auszügen aus seinem Buch berichtete Seesing eindrucksvoll von seinen mehrjährigen Recherchen in Archiven in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Israel. Dabei gewährte er den Zuhörer*innen spannende Einblicke in die historische Spurensuche und die Rekonstruktion der Lebenswege seiner Protagonisten. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Stadt Wetter (Ruhr), dem Projekt „WetterWeltoffen“ sowie die neu gegründete Initiative „Omas gegen Rechts“ aus Wetter (Ruhr).
Die Veranstaltung bewegte viele Gäste tief.

Besonders eindrucksvoll war schließlich auch die Geschichte von Irene Sperber, der Tochter von Anna und Gerhard Sperber, die während der Flucht der Eltern im Jahr 1943 als Baby unter falscher Identität vor den Nazis versteckt wurde. Durch die tiefgründige Recherche des Autors Frank Seesing konnte er Irene Sperber helfen, ihr Schicksal und das ihrer Eltern besser nachzuvollziehen.
Fred Seesing zeigte sich erfreut über die große Resonanz und die Spendenbereitschaft der Besucher*innen. Rund 300 Euro kamen zusammen, die der Autor an die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück weiterleiten wird. In dem ehemaligen Lager wurde Anna Sperber-Chlebowski am 20. April 1945 ermordet. Ihr Mann, Gerhard Sperber, wurde ins KZ Buchenwald gebracht.
Vielfalt als gelebter Wert
Die Woche der Vielfalt hat hier in Wetter (Ruhr) mit unterschiedlichen Formaten Menschen verschiedener Generationen und Hintergründe zusammengebracht und gezeigt, wie wichtig Dialog, Erinnerungskultur und gegenseitiger Respekt für das gesellschaftliche Miteinander sind.
„Die Woche der Vielfalt hat eindrucksvoll gezeigt, dass Offenheit, Respekt und Menschlichkeit keine abstrakten Begriffe sind, sondern täglich gelebt werden können. Die zahlreichen Besucher*innen sowie die engagierten Mitwirkenden haben deutlich gemacht, dass Vielfalt als Bereicherung verstanden wird“, lautet das gemeinsame Fazit der Beteiligten.

